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Nekropole bezeichnet einen Ort, an dem es mehr Tote als lebendige Menschen gibt. Nekropolen sind seltene "Städte". Eine der wenigen weltweit ist das kalifornische Colma – eine Ortschaft, in der nur 0,1 Prozent der Bevölkerung lebendig ist. Wie lebt es sich dort?

In Colma sei es schön, grün und ruhig, sagt die Bewohnerin Patricia Hatfield. Denn in Colma leben nur 1500 Menschen. Es gibt aber siebzehn Friedhöfe:

Vier nicht konfessionsgebundene, vier jüdische, zwei chinesische, einen japanischen, einen griechischen, einen italienischen, einen katholischen, einen für Almosenempfänger und einen für Haustiere. Sie tragen Namen wir „Woodlawn Memorial Park“, „Greenlawn Memorial Park“, „Olivet Memorial Park“ und „Cypress Lawn Memorial Park“.

1,5 Millionen Menschen sind hier begraben – 99,9 Prozent der Bevölkerung. Colma ist eine Stadt der Toten.

Bekannt ist die Stadt unter mancherlei Namen: Deadsville USA (Totenstadt USA), City of Souls (Stadt der Seelen), Home of the Graves (Heimat der Gräber), Cemetery City (Friedhofsstadt).

Von Anfang an war Colma als "Totenstadt" geplant. Die Millionen Leichen in Colma hatten schon einmal eine ewige Ruhestätte – doch sie wurden umgesiedelt.

Foto von Nuray Onoglu: "Schlafender Chris mit Blumen"
  

Schuld daran ist eine Order der angrenzenden Metropole San Francisco. Die erließ am 26. März 1900 folgendes Gesetz: „Es sind keine weiteren Bestattungen in San Francisco und dem Verwaltungsbezirk von San Francisco gestattet.“ Der Grund: Damals waren die Friedhöfe in der Großstadt überfüllt. Da die Stadt von Wasser umgeben ist, konnte sie nicht im nötigen Maße erweitert werden.

Schließlich wurde eine unbesiedelte Region im Süden von San Franciscos die Lösung: Colma. Trauernde konnten dort hin per Zug oder mit der Kutsche anreisen.

1912 wurde es ernst. Die Friedhöfe waren mittlerweile zum Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung geworden. Der damalige Bürgermeister James Rolph erklärte „Dieses Land ist für die Lebenden, nicht für die Toten” und erließ eine Räumungsnotiz für alle Friedhöfe von San Francisco.

1924 wurde Colma offiziell gegründet. Die meisten Leichen in den Friedhöfen von San Franzisko wurden ausgegraben und nach Colma umgesiedelt. Ein gruseliges Projekt, das bis 1941 andauerte. Viele Bewohner haben beruflich mit den Friedhöfen zu tun, sind Bestatter, Floristen oder Totengräber, und kamen deswegen erst nach Colma.

Und San Francisco? Dort lassen sich nur noch Überbleibsel der damaligen Friedhöfe finden. Einige Verstorbene wurden einerseits in Colma in Massengräbern beigesetzt, ihre Grabsteine andererseits blieben in San Francisco. Noch heute finden sich Teile davon in den gepflasterten Gehwegen, Mauern und Straßen der Stadt. Nur die Toten selbst, die sind längst ganz woanders.

Mein Text hier zitiert einen Bericht von Larissa Königs 2018

Phantaphoto von Chris Mennel heraus aus einem Foto von Nuray Onoglu: "Hinüber wall ich"

Das Bild ist im Original 1,80 x 1,80 Meter, hoch aufgelöst, verkaufbar.